Anfang September wurden die Ansiedlungspläne des US-Rüstungsunternehmens Covenant in Leipzig öffentlich. Eine Raketenfabrik, ausgerechnet hier. Und schon beginnt die übliche Erzählung von Investitionen, Arbeitsplätzen und wirtschaftlichen Chancen, als würde es um einen neuen Betrieb für Straßenbahnen oder Medizintechnik gehen. Dabei sollte man zumindest noch aussprechen können, womit hier künftig Geld verdient werden soll: mit der Herstellung von Kriegswaffen.
Ich finde es erschreckend, wie schnell solche Pläne zur normalen Standortfrage erklärt werden. Sobald irgendwo eine Investitionssumme auftaucht, soll plötzlich nebensächlich sein, welchem Zweck die Produktion dient und welche Entwicklung man damit für die eigene Stadt einleitet. Dabei wird aus einer friedlichen Wirtschaft nicht dadurch eine bessere, dass man sie an die nächste Aufrüstungsspirale hängt.
Besonders bitter ist das Arbeitsplatzargument. Bei Jugendhilfe, Kultur oder sozialen Einrichtungen darf man sich regelmäßig erklären lassen, was leider alles nicht finanzierbar sei. Bei einem Waffenhersteller sollen dagegen schon angekündigte Stellen genügen, um jede grundsätzliche Kritik als wirtschaftlich unvernünftig abzutun. Als hätten die Menschen in Leipzig nur die Wahl zwischen Arbeitslosigkeit und Raketenbau. Diese Geringschätzung unserer Beschäftigten und unserer zivilen Industrie ist schon bemerkenswert.
Natürlich ist eine private Ansiedlung nicht allein vom politischen Geschmack des Rathauses abhängig. Aber wer sich bei der Begleitung von Unternehmen wirtschaftspolitische Erfolge zuschreibt, kann bei deren Produkten nicht plötzlich jede Verantwortung von sich weisen. Welche Firmen unterstützt werden, welche Entwicklung öffentlich begrüßt wird und wofür eine Stadt ihre Kraft einsetzt, ist eine politische Entscheidung.
Für mich ist diese Ansiedlung ein gefährlicher Schritt in die falsche Richtung. Leipzig hat genug Aufgaben, bei denen Arbeit und Investitionen dringend gebraucht werden. Dass ausgerechnet die Produktion von Raketen nun als Zukunftsperspektive gelten soll, sagt vor allem etwas darüber aus, wie gründlich sich die politischen Prioritäten verschoben haben.
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